Lamm, Lamm, nichts als Lamm
Bielefeld. Europa ist - kulinarisch - längst zusammengewachsen. Im griechischen Restaurant kommt San Pellegrino auf den Tisch, wenn Mineralwasser geordert wird, gibts einen Espresso, wenn die Gasflasche streikt und der griechische Mokka nicht am Tisch gebrüht werden kann. Serviert wird der kleine Schwarze von Salvatore, einem besonders aufmerksamen, charmanten Auszubildendem. Er ist italienischer Abstammung, versteht sich.Aber alles andere ist im "Pallas Athene" griechisch. Pardon, da finden wir noch ein Tiramisu ganz hinten auf der Karte. Immerhin ist der Metaxa, mit dem die Köstlichkeit parfümiert wird, aus Griechenland. Aus Griechenland stammen auch alle Weine. Gute, sehr modern gemachte Weine: An dem Land rund um den Peloponnes ist die Welle der Chardonnays, Sauvignons und Merlots nicht vorübergegangen. Junge, engagierte Winzer produzieren Jahr für Jahr bessere Tropfen.
Aber die Weine sind nicht der Grund, der ein anhängliches Stammpublikum selbst von weit her regelmäßig das "Pallas Athene" von Spiros Christodoulou zieht. Es ist das Lamm. Lamm in allen Variationen. Viele Gäste schauen gar nicht mehr in die Karte, sie bestellen ihr "Moustarda", ein Lammrückensteak in Senfsauce. Oder die "Lammvariation" - Rücken, Keule und Filet in einer Käsesahnesauce aus dem Backofen. Oder den Lammrücken mit Waldbeerensauce. Panagiota Christodoulou ist eine begnadete Köchin. Während ihr Mann den Service im Restaurant dirigiert, ist die Küche allein ihr Reich. Die Fonds für die großartigen Saucen kocht sie grundsätzlich selbst. Kein Stück Fleisch, kein Fisch, den sie nicht selbst gart, brät grillt. Ihr Lamm, das sie seit Jahren aus Uruguay bezieht, wird zum Beispiel mariniert auf ein heißes Backblech gegeben, rundum angebraten, damit sich die Poren schließen und das Fleisch saftig bleibt. Danach ruht es einen kurzen Augenblick, wird in den Backofen geschoben und auf den Punkt genau gegart.
Wieder eine kurze Ruhepause, damit sich der Fleischsaft verteilen kann. Zum Abschluss kommt das Stück dann noch einmal kurz unter den "Salamander" (Grill), damit die Oberfläche leicht kross wird. Solch ein Lamm ist dann innen noch rosa, bleibt saftig und behält sein Aroma. Kenner wissen das zu schätzen. Wer es ganz genau wissen will, darf - nach Anmeldung - der Köchin auch einmal über die Schulter schauen. Beginnen wir mit der Vorspeise: Der "Orektika"-Teller etwa ist inzwischen ein Klassiker, da häufen sich Bohnen, Fischrogensalat, Tsatsiki, Dolmades, kleine Tintenfische und Kurzgebratenes. Mit dem selbstgebackenen Brot eigentlich schon eine komplette Mahlzeit. Nur gut, dass uns Salvatore rechtzeitig darauf gewiesen hat. (Warum gibts keine halbe Portionen?) Hartnäckig Salvadores Weinberatung: "Nicht den trockenen Weißwein zur Vorspeise und zum Zander, nehmen Sie den halbtrockenen Makedonikos". Konsequentes Nachfragen ergibt: "Wir sind mit der Qualität des Cambas nicht mehr zufrieden, auf der neuen Euro-Karte werden wir ihn nicht mehr führen." Der Patron legt halt auf Weinberatung besonderen Wert.
Panagiotas Lamm ist immer perfekt, da gibt es nichts zu meckern. Allenfalls vielleicht an der Optik: Bei den Lammvariationen etwa verschwindet das Fleisch unter einem bräunlichen Käsemantel. In diesen Tagen richtig gut: die geschmorte Lammschulter - das könnte unser neues Lieblingsgericht werden. Auch der Zander hat uns gefallen.Auf Vorbestellung werden aber auch andere griechische Gerichte, etwa ein Moussaka serviert. Bei den Desserts ist neben dem italienisch-griechischen Tiramisu vor allem das Honigeis mit Mandelsoße besonders lecker.
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